Kreiskrankenhaus Freiberg

Wie die Grubenwassergeothermieanlage der Reichen Zeche nutzt auch das Kreiskrankenhaus Freiberg Grubenwasser aus dem Bereich der ehemaligen Himmelfahrt Fundgrube des Freiberger Bergreviers in direkter Umgebung der Alten Elisabeth. Das Grubenwasser wird aus dem Rothschönberger Stolln entnommen und von dort in einem offenen Kreislauf in eine Kammer mit einem Wärmeübertrager auf der 3. Sohle des Bergwerks gehoben. Nach der Abgabe- bzw. Aufnahme der Wärme auf einen geschlossenen Zwischenkreislauf, wird das Grubenwasser stromabwärts wieder in den Rothschönberger Stolln entlassen. Das im Zwischenkreislauf befindliche Wasser wird mittels Pumpen so umgewälzt, dass die Energie an die Tagesoberfläche transportiert wird. In den Sommermonaten wird das Wasser direkt  zur Kühlung der Räumlichkeiten im Krankenhaus genutzt. Für die Bereitstellung von Heizwärme, welche die Hauptaufgabe der Anlage ist, wird das Temperaturniveau des Grubenwassers mithilfe einer Wärmepumpe angehoben.

Grubenwassergeothermieanlage Kreiskrankenhaus Freiberg (Grafik: TU Bergakademie Freiberg)


Unterstützt wird die Heizungsanlage neben der einer Gasheizung auch durch ein Blockheizkraftwerk, welches unter anderem den Strom für den Betrieb der Wärmepumpe bereitstellt. Mit 600 kW Grubenwasserleistung bzw. 860 kW Wärmeleistung der Wärmepumpe heizkreisseitig ist die Anlage eine der größten Grubenwasseranlagen der Welt [1]. Neben der Nutzung des Grubenwassers zur Energiebereitstellung nutzt das Krankenhaus das Freiberger Grubengebäude auf eine weitere, besondere Arte und Weise: Hierbei wird Luft am Mundloch des Hauptstolln Umbruchs mittels Ventilatoren durch den Stollen gefördert. Dabei wird die Luft ganzjährlich auf ein konstantes Temperaturniveau von ca. 10 °C angehoben bzw. abgekühlt. Beim Durchgang durch den Stollen kommt es zur Befeuchtung nahe der vollständigen Sättigung mit Wasser. Nach einer Erwärmung im Krankenhaus auf ca. 21 °C steht somit keim- und staubfreie Luft mit einem Feuchtegehalt von ca. 50 % energetisch wie wirtschaftlich günstig zur Verfügung [2].

Literatur

[1] Grab T., Storch T., Groß U. (2018) Energetische Nutzung von Grubenwasser aus gefluteten Bergwerken. In: Bauer M., Freeden W., Jacobi H., Neu T. (Hrsg) Handbuch Oberflächennahe Geothermie. Springer Spektrum, Berlin, S. 523–586
[2] Apenburg K. (2002) Himmelfahrt Fundgrube belüftet Kreiskrankenhaus Freiberg. Informationsdienst Wissenschaft e. V., verfügbar unter https://idw-online.de/de/news54954, zuletzt aufgerufen am 10.01.2019